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Warum in die Ferne schweifen? Die Nahe

Warum in die Ferne schweifen? Die Nahe

Nirgendwo sonst in Deutschland bietet ein Terroir so viel unterschiedliche Bodenformationen (mehr als 180 werden vermutet) auf so wenig Kilometern wie an der Nahe: Quarz und Schiefer, Porphyr, Melaphyr und Buntsandstein, Verwitterungsböden und Tonüberlagerungen aus Sandstein, Löss und Lehm.

So war es mehr als Nahe-liegend, das einmal in einer Nahe-Probe in seiner ganzen Vielfalt zu zeigen. Zum Aperitif öffneten wir eine Magnum Rosé trocken vom Wein- und Sektgut Bamberger. Die Cuvée aus Spätburgunder, Früburgunder und Acolon (für die Farbe?) lag 15 Monate auf der Hefe und machte im Glas richtig Spaß! Das erste Stillwein-Flight bestand aus zwei Einstiegsweinen von zwei Vorzeige-Betrieben: "Just Riesling" trocken vom Gut Hermannsberg gegen Grauburgunder von Caroline Diel vom Schloßgut Diel. Der Riesling überzeugte im direkten Vergleich etwas mehr. Zum ersten Gang, dem gratinierten Ziegenkäse mit gebratenem Rhabarber und Portweinreduktion gab es Scheurebe halbtrocken und "Fröhlich trocken". Den keltert Tim Fröhlich vom Weingut Schäfer-Fröhlich aus uralten Müller-Thurgau-Reben. Ein Wein mit beeindruckender Schieferwürze und Grip. Zum Ziegenkäse kam die halbtrockene Scheu aber besser an. Es handelte sich bei Letzterer übrigens um den "Piraten" des Abends, den Lidl gerade für 2,49 EUR die Flasche verschleudert.

Anschließend gingen wir zu den Lagenrieslingen von Emrich-Schönleber über: dem Halgans (aus dem Monzinger Halenberg) und dem Frühtau (aus dem Frühlingsplätzchen). Der Halgans zeigt sich mit Grapefruit, Würze und fester, mineralischer Struktur, der Frühtau mit feinen Fruchtaromen von weißem Pfirsich und reifem Apfel. Dazu servierte ich eine Praline vom Glen Douglas Lachs (schottische Zucht) im Kräutermantel mit einer frischen Gurkensauce und Crème fraîche. Wie (fast) zu erwarten harmonierte der mineralischere"Halgans" besser zu dem kräftigen Fisch, als der Frühtau. 8:4 war der Endstand bei der Abstimmung zu diesem Pairing.

Als Solitär probierten wir die 2015er Spätlese "Felsenberg" vom Weingut K-H. Schneider, der mit Pfirsichnoten, Saftigkeit und einem anregenden süße-Säure-Spiel gefiel. Bereits deutliche Petrolnoten in der Nase liessen allerdings den ein oder anderen zweifeln, ob der Wein die nächsten fünf Jahre noch gut durchhalten wird. Eine eher theoretische Frage: bei mir ist er ausgetrunken ;-)

Als Begleiter zum Spargel hatte ich zwei Weißburgunder ausgewählt. Pur verkostet gab es einen leichten Punktevorteil von 7:5 für Emrich-Schönleber (Pfirsich, Zitrone, Melone, Minze) gegen die "Rote Erde" von Jacob Schneider (würzig, Feuerstein, kräutrig, animierend, zartcremig). Zu den kräftigen Begleitern der weißen Stangen (buttrige Spargelcreme, die Quinoa-Erde war mit Sojasauce, Sternanis und Zitronengras aromatisiert) drehte sich dann die Gunst deutlich zu Jacob Schneider, der am Ende mit 9:3 den klaren Sieg gegen den Platzhirschen Emrich-Schönleber einfahren konnte.

Rotwein von der Nahe? Wir verkosteten den burgundischen 2015er Pinot Noir von Anette Closheim und die gelungene Cuvée No. 3 (60% Frühburgunder, Domina, Regent) von Harald Hexamer, die jeweils die Hälfte der Gäste für sich einnehmen konnten. Mit dem slow cooked Krustenbraten mit schwarzen Bohnen und schwarzem Knoblauch waren die Genießer aber dann so beschäftigt, dass wir die zweite Abstimmung vergaßen. Ich meine, mir hätte der Pinot Noir auch zum Essen besser geschmeckt. Aber ich bin ja auch ein Spätburgunder-Junkie...Zum süßen Abschluss (saisonal mußten es natürlich Erdbeeren sein) gab es noch eine Riesling-Auslese "Frühlingsplätzchen" von Bamberger. Auch wenn die Auslese natürlich noch viel zu jung war - ein optimales Dessert-Match!

 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

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