Warum in die Ferne schweifen? Die Nahe
2. Juli 2017

Volcanic Soils: Weine von heißen Steinen

Volcanic Soils: Weine von heißen Steinen

Im April 2018 fand in New York die erste „International Volcanic Wine Conference“ statt. Anlass für mich, das Thema Vulkanweine einmal auf den Verkostungszettel zu setzen.

Nur etwa sieben Prozent der weltweiten Weinproduktion wächst auf Vulkangestein. Dieser Boden sorgt für viel Extrakt und eine komplexe Mineralität. Im Juni 2018 fand dann unser Tanz auf dem Vulkan statt: Es ging auf vier Inseln, in den Süden Europas und in den Südwesten Deutschlands.

Angestoßen haben wir zuerst mit einem weißen Schaumwein aus der lokalen Rebsorte Caprettone von den südlichen Hängen des Vesuvs nahe Pompei. Ein ganz und gar seriöser, überzeugender Vertreter, wenn auch mit 24 Euro schon im Top-Preissegment für Schäumer aus Italien.

Danach probierten wir zur Jakobsmuschel den Táganan Blanco von Envínate von der Vulkaninsel Teneriffa. Eine im gebrauchtem Holz ausgebaute, burgundisch wirkende Cuvée aus Marmajuelo/Malvasia, Listán blanco und Albillo. Dagegen den Grauburgunder Burkheimer Feuerberg alte Reben von den Burkheimer Winzern in Vogtsburg im Kaiserstuhl. Überraschung: Die Sympathien der Runde waren ziemlich ausgeglichen zwischen dem Spanier und dem Deutschen.

Zum Kabeljau ging es dann auf die Azoren mit einem herrlich frischen Volcanico Rosè und nach Sizilien mit dem „Vigne Niche Calderara Sottana“ (bis zu 60 Jahre alte Carricante-Reben, biologisch, 10 Monate im Barrique) vom Ätna. Im Voting hatte der Rosé die Nase deutlich vorn.

Eine echte Entdeckung war im nächsten Flight der kraftvolle und dichte, dabei wunderbar frische und elegante Assyrtiko von Sigalas von der griechischen Insel Santorin in den südlichen Kykladen , den es zum Hähnchen mit Kräuterbrioche, Erbsen und Estragonjus zu verkosten gab und der den zweiten weißen Vertreter vom Ätna, den im Edelstahl ausgebauten „Cavanera „Ripa die Scorciavacca“ (80% Carricante, 20% Catarrato) in der Gunst der Runde eindeutig überflügelte.

Bei den Rotweinen überzeugte der animalisch-wilde El Lance von Suertes del Marqués von Teneriffa, eine Cuvée aus fünf eigenwilligen, autochthonen Varietäten, die Runde doch etwas mehr als der Premium-Aglianico del Vulture „Terre degli Svevis“ vom Basilicata-Klassiker Re Manfredi.

Der letzte Flight bescherte uns dann auch endlich einen klaren Punkt-Sieg von Sizilien mit „Pietradolce“ (100 Prozent Nerello, vier Monate im Tonneau) über den Spätburgunder vom Vulkan vom Kaiserstühler Top-Betrieb Freiherr vom Gleichenstein.

Denkwürdiger Abschluss zum Cannolo alla Siciliana mit dem süßen Kultwein von Donnafugata, dem „Ben Ryè“ aus eingetrockneten Zibibbo-Trauben (193 g Restzucker pro Liter) von Siziliens vorgelagerter Insel Pantelleria.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

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